University of Canterbury - Universität in Christchurch .: Diese Seite ist ein Informationsangebot des Instituts Ranke-Heinemann zum Studieren in Neuseeland :.
Über das 4A Forum des Ranke-Heinemann-Instituts habe ich jemanden gefunden der am selben Tag wie ich von Frankfurt nach Neuseeland flog. Von London bis Auckland sind wir gemeinsam geflogen. Der Flug mit Air New Zealand ging von Frankfurt via London, Los Angeles und Auckland nach Christchurch. Es ist ganz angenehm mit jemandem zusammen zu reisen, so kann man während des Fluges Informationen austauschen. Über Amerika zu fliegen ist sinnvoll, da insgesamt 53 kg Gepäck erlaubt sind, 7 kg Handgepäck und zwei Gepäckstücke mit jeweils 23 kg. Zumindest war das vor über einem Jahr so.
Da mein Flug von Auckland nach Christchurch verspätet war und von meinem Studentenwohnheim in Christchurch bereits den Airport Pickup Service geordert war, habe ich Bodenpersonal am Flughafen in Auckland gefragt ob ich mal deren Telefon benutzen könnte. Die nette Dame von Air New Zealand hat dann direkt für mich da angerufen und mein Eindruck dass die Neuseeländer sehr nette und hilfsbereite Menschen sind hat sich bis heute nicht geändert.
In Christchurch hat mich bereits am Gepäckband der bestellte Taxifahrer abgeholt und zum “Ilam Village” Studentenwohnheim gefahren. Dort wurde ich auch ganz herzlich begrüßt.
2 Studentenwohnheim “Ilam Village”
Ich habe mich von Deutschland aus im Studentenwohnheim “Ilam Village” beworben und nach ein paar Tagen eine Zusage bekommen. Ilam Village ist nur eines der vielen Studentenwohnheime die alle nah an der University of Canterbury liegen. Das Leben im Studentenwohnheim war sehr bunt und oft laut, vor allem nachts. Ansonsten hat es mir da gut gefallen. Das Gute ist dass man mit vielen anderen Studenten von der ganzen Welt in Kontakt kommt.
Viele Studenten sind nach einem Semester ausgezogen um woanders ruhiger zu wohnen. Nach zehn Monaten habe ich das dann auch gemacht. Neben der oft ruhigeren Lage gibt es auch finanzielle Vorteile, da die Studentenwohnheime in Christchurch in der Regel teurer sind als „Flatting“.
3 Flatting
Für’s Flatting gibt es jede Menge Möglichkeiten. An vielen Plätzen an der Universität hängen Zettel von Studenten die noch flatmates suchen. Die Miete wird in der Regel wöchentlich bezahlt. Für’s flatting sind Preise von $80 bis $130 per Woche normal. Manchmal sind da die Nebenkosten schon mit eingerechnet und wenn nicht, dann sind sie in der Regel um $15 per Woche. In Christchurch werden ganze Einfamilienhäuser an Studenten vermietet. Wenn man schon vorher ein paar Leute kennt die auch nach Christchurch reisen, dann lohnt es sich mit denen direkt zusammen in ein Haus zu ziehen. Viele Häuser in den Vierteln um die Universität sind jedoch sehr heruntergekommen und ich kann nur empfehlen sich die Häuser vor Ort anzusehen. Vor allem eine Heizung sollte vorhanden sein. Nicht jedes Haus hat eine!
4 Christchurch
Christchurch ist nicht „die englischste Stadt“ Neuseelands. Das liest man an vielen Stellen im Internet, aber wenn man England gesehen hat dann kann man beurteilen dass es hier nicht wirklich „englisch“ aussieht. Ich erwähne das für die unter euch die nicht unbedingt in England studieren möchten und auch nicht in einem Land das England zu ähnlich ist. Neuseeland allgemein und Christchurch speziell sind beide definitiv nicht wie England.
Das schönste an Christchurch ist dass die Stadt flach ist, also hervorragend zum Fahrrad fahren. Und es gibt am Stadtrand die Port Hills von denen man eine schöne Aussicht hat und wo man auch wandern kann.
5 Master of Engineering Management (MEM)
Ich hatte mich entschlossen einen Master of Engineering Management (MEM) zu studieren. Dieses Programm ist sehr renommiert, hat internationale Auszeichungen gewonnen, dauert 13 Monate und kann nur full-time studiert werden. Es hebt sich von anderen Masterstudiengängen ab, da es nicht nur aus coursework oder der thesis besteht, sondern beide vereint. Von Studienbeginn bis Ende September gibt es coursework. Es besteht Anwesenheitspflicht und es werden jährlich nur ca. 25 Studenten zugelassen. Vorraussetzungen für die Zulassung sind neben sehr guten Noten und einem Bachelor-Abschluss in einer Ingenieursdisziplin auch eine „balanced personality“. Der MEM ist sehr stark auf Entrepreneurship ausgelegt und wer keine soft skills vorzulegen hat wird nicht ins Programm aufgenommen. Das hört sich alles sehr hart an, aber wenn man das Studium mitgemacht hat dann weiß man auch dass es Sinn macht vorher „auszusieben“. Ich möchte hier niemandem den Mut nehmen sich zu bewerben. Der Programmdirektor schätzt deutsche Studenten sehr und obwohl es offiziell auf der Website anders lautet – als Deutscher braucht man keinen Englisch-Sprachtest für dieses Programm ablegen.
Von den 26 Studenten zu Jahresbeginn waren es nach drei Wochen nur noch 22. Zusammen mit einem Inder waren er und ich die einzigen internationalen Studenten, der Rest waren Kiwis.
Der MEM ist nicht irgendein Programm, innerhalb des College of Engineering hat er Sonderstatus. So gibt es zum Beispiel einen eigenen Vorlesungsraum und dazu einen Studienraum nur für MEM-Studenten. Da gibt es auch Fernseher, Mikrowelle Billard-Tisch, Wii, Dartboard usw.
6 Courses und Modules
Die courses zum MEM Programm sind vorgegeben und können nicht gewählt werden. Sie fließen alle in die Bewertung ein und die besteht pro course entweder aus einem individual assignment, group assignments, Kombinationen aus beiden oder Klausuren. Es gibt sechs courses (Accounting, Economics, Law, Management, Marketing und Engineering), die jeweils aus zwei bis vier modules bestehen. Der Fokus liegt bei den modules auf Management. Im Vergleich zum MBA ist der MEM ein bisschen weniger auf „business“ (marketing, finance, accounting, commercial law, economics, sales, commercialisation) ausgerichtet, dafür aber stärker auf „process“ (organisational behaviour, leadership, project management, technology management, quality systems, systems engineering, maintenance, IT, strategy, operations management). Die modules in den Klammern sind alle Kurse die zum MEM gehören.
Eine weitere Besonderheit vom MEM ist dass neben den courses auch Workshops zum Programm gehören. Es handelt sich jedoch nicht nur um zwei, drei Workshops, sondern um an die 20. Das Programm ist sehr abwechslungsreich und man bekommt echt interessante Vorlesungen und Workshops.
Ab Oktober beginnt dann die Anfertigung der Masterarbeit. Die Zeit bis zur Abgabe ist begrenzt auf Anfang bis Mitte Februar. Man hat also nicht ein Jahr Zeit um irgendetwas zusammenzuschreiben, sondern nur 5 Monate. Die Anforderungen sind auch hier hoch. Die Masterarbeit wird in der Regel in einer neuseeländischen Firma geschrieben, Ausnahmen sind aber auch möglich, so dass z. B. auch Firmen in Australien gewählt werden können oder die Masterarbeit ganz ohne Firma in der Universität geschrieben wird.
7 Persönliche Wertung
Wenn ich die Chance hätte, ich würde den MEM an der University of Canterbury noch ein zweites Mal studieren. Das Programm hat mir persönlich und beruflich viel gebracht. Auch Neuseeland ist ein tolles Land und Christchurch eine prima Stadt zum Studieren und um Reisen in andere Teile von Neuseeland oder Australien zu unternehmen. Die Menschen hier sind sehr freundlich und der allgemeine Umgang miteinander ist auf einem Level dass einem als Deutscher anfangs seltsam vorkommt. Man merkt aber schnell dass die Menschen hier wirklich so freundlich sind!
8 Englisches Stetement zum MEM
Zusätzlich folgt eine Kopie von dem was ich über den MEM auf der MEM-Website geschrieben habe (englisch):
I am an international student from Germany with a background in International Technical Management and Mechanical Engineering. When I graduated, I started working for a company in Germany for a few months and moved after that to New Zealand for the MEM. Earlier in Germany, I heard about the MEM and its excellent reputation via the Ranke-Heinemann Institute. The MEM is designed for students with an engineering background who want to gain more knowledge about management. This is exactly what I wanted; it suited my career path perfectly and therefore I joined the MEM. It fascinated me, being a part of this special programme.
The application process may differ a little from the one of domestic students if you come from abroad, but there was no problem at all when applying from overseas. Even though moving to the other side of the world and beginning to study in New Zealand is quite a large step that includes a few obstacles to take, it is no challenge that couldn't be managed and it is definitely worth all the effort and preparation.
The MEM is by far not an usual Master's programme. The taught courses do not only provide me with the essential management knowledge, but also with leadership skills and information that enhance my personal development.
I am convinced that the MEM at the University of Canterbury is overall the best programme that the University offers, and I am also sure that it is one of the best Engineering Management programmes in the world.
Studying the MEM is not just limited to attending lectures and workshops during the normal lecture time. Being a part of MEM means to be part of a large team that spends a lot of time together even when the “normal“ university day is over. The lecturers are top people from the University of Canterbury and from international businesses. They bring in their expertise and experience of the business world and teach what is really important in the working world. I can't compare the MEM to any other programme I have been enrolled in or that I heard of before. The MEM is different - it is just better! MEM is teamwork, it is challenging and it is much fun! So far, more than half the lectures and workshops are over and done and I don't regret a single day.
Erfahrungsbericht - Simon Lang
Von Juli-November 2007 habe ich als undergraduate Student an der University of Canterbury ein Semester Englisch und Geschichte absolviert. Im Folgenden möchte ich ein paar Tipps und Erfahrungen weitergeben, die dem zukünftigen Studenten hoffentlich hilfreich sein werden.
Anreise
Ich habe meinen Flug mit STA über die Ranke-Heinemann-Homepage gebucht. Das Angebot (1.660 € über L.A.) war fair und ich durfte, was besonders wichtig war, 2 x 23 kg plus Handgepäck mitnehmen (das ist, soviel ich weiß, nur über die L.A.-Route möglich!). Da man sich für das wechselhafte Wetter in Neuseeland mit einer guten Kleidungsauswahl vorbereiten sollte, war das schon ein Vorteil. Gerüchte über penible Sicherheitskontrollen in London kann ich nicht bestätigen, aber man sollte auf jeden Fall mindestens 1,5 Stunden Aufenthalt einplanen, da das Warten vor den Sicherheitsschleusen sehr lange dauern kann. In L.A. selbst war die Passkontrolle für einen Aufenthalt von nur 2 Stunden sehr gründlich und dementsprechend langwierig, aber dafür wurde ich im abgesicherten Warteraum aufs Beste mit kostenlosen Getränken, Obst und Süßigkeiten versorgt.
Meine Fluggesellschaft war Air New Zealand, die ich absolut empfehlen kann. Das Unterhaltungsprogramm an Bord war vom Feinsten (zig Filme, Serienepisoden, Dokus, jede Menge Musik, Spiele,...) und dank persönlichem Monitor konnte jeder das machen, worauf er gerade Lust hatte. Netter Bonus: die Filme konnte man mittendrin anhalten, ein Stündchen schlafen und dann wieder an gleicher Stelle fortfahren. Ob man jetzt einen Stopp in Asien braucht oder nicht, sei dahingestellt. Ich persönlich habe den direkten Weg vorgezogen und auch wenn es eine Grenzerfahrung ist, so hab ich die Strapazen der über 30-stündigen Reise doch gut überstanden.
Studium
Die University of Canterbury ist relativ groß, doch sehr kompakt angelegt. Sie liegt etwas weit von der Stadt und noch weiter vom Strand entfernt, was spontane Trips ohne eigenes Auto erschwert. Das Bussystem ist zwar in der Theorie nicht schlecht, doch die häufig aus allen Nähten platzende Riccarton Road, die Hauptstraße ins Zentrum, ist in der Planung die große Unbekannte. Trotzdem reichen Busse für die Stadt völlig aus, zumal man nicht unter der herrschenden Parkplatznot leiden muss.
Die Unterschiede zum Studium in Deutschland sind recht groß. Während ich es gewohnt war, den Großteil des Semesters entspannt anzugehen und erst gegen Mitte/Ende auf die Klausuren büffelte, ist diese Einstellung hier tödlich. Es wird viel von einem erwartet, neben den Abschlussklausuren müssen noch jede Menge Essays und Assignments eingereicht werden. Man ist gezwungen, permanent am Ball zu bleiben und man hat meist wirklich nur an den Wochenenden Zeit für andere Dinge. Der positive Effekt ist aber, dass man sich viel Aufwand für die Prüfungsvorbereitung erspart und so konnte ich die Freizeit vor den Prüfungen für einen einwöchigen Trip durch die Nordinsel nutzen. Außerdem ist es nicht so, dass die Aufgaben in ihrem Inhalt schrecklich schwer wären. Es ist mit etwas Planung gut zu schaffen, nur darf sich auf keinen Fall der Schlendrian einschleichen. Die Klausuren waren dann für jeden, der die Kurse auch nur sporadisch besucht und seine Hausaufgaben gemacht hatte, kein Problem.
Als internationaler Student fühlte ich mich wunderbar aufgehoben und betreut. Es gibt ein eigenes Büro für „uns“ und auch die 7. Etage in der Bibliothek, in der Schreibkurse und Essaykorrekturen angeboten werden, war mehr als einmal hilfreich. Darüber hinaus wird hier keinem der Kopf abgerissen, wenn man ein zweites Mal nachfragen muss; meine Dozenten waren alle sehr, sehr nett und hatten immer ein offenes Ohr. Zumal meine Herkunft oft ein nützlicher Eisbrecher war, man glaubt ja gar nicht, wie beliebt Deutschland hier unten ist!
Die Hörsäle sind alle tiptop ausgestattet: Beamer, Projektor und Computer waren Standard (und haben auch funktioniert!!). Als der PC einmal nicht auf Anhieb wollte, hat unser Dozent den Notdienst vom IT-Department gerufen, der das Problem in 5 Minuten behoben hatte. Was man zu den Studiengebühren wissen sollte: Für Study Abroad Undergraduate-Studenten ist hier eine Flatrate-Gebühr von 9.300 $ fällig. Ganz egal, wie viele Kurse man belegt, die Summe steht. Das ist jede Menge Geld und sollte im Vorfeld bekannt sein.
Wohnen
Ich bin, meiner Meinung nach, in einem der besten Wohnheime (Ilam Village -> www.canterburyuv.co.nz/canterburyuv/ilam/site/html/the_village.php) untergekommen. Die Wohnungen hier haben drei Einheiten (alt, mittel und neu) und kosten entsprechend mehr oder weniger. Die Beschreibungen der neuen Wohnungen locken zwar mit Plasma-TV und modernem Design, sind aber unterm Strich reine Geldmacherei. Die Zimmer sind deutlich kleiner als in den mittleren Wohnungen und was den Preis überhaupt berechtigt hätte, konnte ich nie herausfinden. Die alten Wohnungen sind eben alt, man spart gutes Geld, und sie sind mit Sicherheit eine Alternative zur Studenten-WG. Ich habe in den mittleren Wohnungen gehaust und es hat mir sehr gut gefallen. Jede Wohnung hat 6 helle und geräumige Zimmer mit Telefon, eine große Wohnküche, je zwei Toiletten und Duschen und einen Balkon oder Terrasse, je nach Etage. In der Miete enthalten sind Wasser und Energie, zusätzlich gibt’s eine Waschmaschine und einen Trockner im Badezimmer. Trotzdem ist es immer noch eine kostspielige Sache, ich habe 175 $ pro Woche (!) bezahlt. Dafür bekommt man aber auch viel geboten (Wohnheimparties, Kochabende, Quiznights, Filmnächte,...) und die beiden Common Rooms verfügen über Beamer oder großem Plasma-TV, sowie Sky, dem englischen Bezahlfernsehen (das hat sich für mich als großen Fußballfan als nicht unwichtig herausgestellt). Die Betreuung ist sehr studentenfreundlich, bei Problemen kann man sich jederzeit an einen der RA’s wenden und auch das Büropersonal ist sehr hilfsbereit und unkompliziert.
Sollte die Miete im Budget nicht drin sein, kann man sehr preiswert in Studenten-WG’s unterkommen. Hier zahlt man im Durchschnitt um die 80-120 $ pro Woche und der Wohnungsmarkt ist übersät mit Angeboten. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen und ein freies Zimmer zu finden ist nicht schwer. Allerdings können die Häuser dementsprechend runtergekommen und „verwohnt“ sein. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die fehlende Isolierung. Ich habe eine Nacht in einer typischen WG verbracht und glaubt mir, das war kein Spass! Es war im Juli, also im Winter, und ich habe ungelogen mit 2 Decken, Schlafsack, Trainingshose, Pulli und Mütze frierend im Bett gelegen! Da kann man sich wirklich gleich eine kuschelige Parkbank suchen. Deshalb mein Tipp: versucht, in ein Wohnheim zu kommen. Es gibt eine Handvoll, die alle in Uninähe sind und die ich jederzeit einer WG vorziehen würde. Achtet auch darauf, dass das Wohnheim „self catered“ ist, also mit eigener Küche. Ich habe gehört, dass das Essen in den Wohnheimskantinen nicht immer genießbar war, außerdem kann man seinen Tag nicht so frei planen und mit selber kochen kommt man sowieso nochmal viel billiger weg.
Christchurch
Christchurch wird wegen der vielen Parks und öffentlichen Gärten Neuseelands „Garden City“ genannt. Die größte Stadt der Südinsel breitet sich mit ihren Vororten weitflächig in der Canterbury-Ebene aus, was die Innenstadt aufatmen lässt. Hier gibt es kein Gedränge wie in Auckland oder Wellington, es gibt viele ruhige Plätzchen, an denen man sich entspannen kann. Hagley Park und die Botanical Gardens eignen sich ideal für einen ruhigen Spaziergang, während rund um den Cathedral Square das Leben pulsiert. Ob Markt oder Straßenkünstler, hier ist fast immer was geboten. Empfehlenswert ist auch der Kunstmarkt, der an Wochenenden bei der Art Gallery stattfindet. Ein bequemer Ein-Tages-Tripp nach Lyttelton, dem ehemaligen Hafen, sollte auch eingeplant werden. Auf dem Berg hat man einen genialen Blick sowohl auf Lyttelton als auch auf Christchurch mit den Alpen im Hintergrund. Kleiner Trick: Wenn man den Berg hochwandert, kann man mit der Gondel kostenlos wieder ins Tal fahren. Hat zumindest bei uns geklappt.. =)
Was noch für Christchurch spricht, ist die sehr günstige Position: Fast exakt in der Mitte der Südinsel gelegen, ist man im Handumdrehen in Queenstown oder Dunedin, Nelson oder Wellington. Außerdem hat man die Möglichkeit, schnell in die Alpen zum Skifahren zu gelangen, oder sich an die schönen Strände New Brighton oder Sumner zu legen.
Und jetzt noch ein paar kulinarische Tipps, die ich euch nicht vorenthalten möchte: Wer Lust auf ein reichhaltiges Frühstück hat, sollte bei Drexel’s in der Hereford Street vorbeischauen. Das zum fairen Preis angebotene Drexel Special ist fast genug für den ganzen Tag und unglaublich lecker!! Für den Hunger am Campus kann ich folgendes empfehlen: Wer Fish’n’Chips mag, muss bei Captain Ben’s in der Ilam Road direkt an der Uni einkehren. Der Preis von 3,40 $ pro Portion ist unschlagbar. Auch beim indischen Restaurant Marco Polo neben der Bibliothek gibt’s viel fürs Geld. Die frisch belegten Ciabatta-Sandwiches von Brasilia im UCSA-Gebäude sind eine Option für den kleinen Hunger. Für den größeren Geldbeutel und den gegebenen Anlass eignet sich Indochine in der Cambridge Terrace, das zu den besten Restaurants Neuseelands gehört. Wie der Name verrät, wird hier indische und chinesische Küche angeboten. Wer dort seinen Geburtstag feiert, bekommt ein himmlisches Dessert gratis, was groß genug für zwei Personen ist.
Freizeit
Es sollte jedem klar sein, dass die unglaubliche Vielfalt Neuseelands einerseits eine wahre Schatzkiste sein, andererseits jedoch zur Bürde werden kann. Ein wenig Recherche im Vorfeld, was man denn wirklich sehen/machen will, kann nicht schaden. Der einfachste Weg, soviel wie möglich mitzunehmen, heißt „Kiwi Experience“ (www.kiwiexperience.com). Das ist ein Busunternehmen, dessen grasgrüne Busse Neuseeland in vielen kleinen und größeren Touren durchqueren. Das Besondere ist hier, dass man relativ flexibel seine persönliche Fahrt organisieren kann. Die Busse fahren hintereinander her und wenn man an einem Ort ein paar Tage länger bleiben möchte, lässt man seinen Bus wegfahren und steigt auf den nächsten auf. Vorsicht: Das kann auch ins Auge gehen, wenn man sich nicht frühzeitig um einen Platz kümmert oder der nächste Bus zu lange hinterher ist. Es ist eine erfrischend lockere Art zu reisen, die Busse sind international besetzt und die Zielgruppe sind junge Erwachsene von ca. 18-25 Jahren. An den einzelnen Stationen gibt es Ermäßigungen für viele Aktivitäten und die Unterkunft wird für einen während der Fahrt gebucht. Unterwegs bekommt man viele Geheimtipps zu sehen und man steigt immer mal wieder für eine kleine Wanderung aus. Sogar die Fahrer selbst sind ein Erlebnis und manchmal echte Originale, die keine Langeweile aufkommen lassen.
Es ist aber auch überhaupt kein Problem, sich selbst ein Auto zu mieten und drauflos zu fahren. Autoagenturen gibt’s in jeder größeren Stadt und wenn man frühzeitig bucht, hat man gute Chancen auf einen sehr billigen Deal. Der Sprit ist auch nicht sehr teuer (Volltanken kostet für einen normalen PKW etwa 50-60 $) und an das Linksfahren gewöhnt man sich schnell. Trotzdem sollte man nach Möglichkeit erst ein paar Runden um den Block drehen, bis man sich umgestellt hat. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen sollten auf den einspurigen und sich oft windenden Highways strikt eingehalten werden. Unangenehm viele Kreuze am Straßenrand erinnern an Leute, die auf der Strasse ihr Leben gelassen haben. In ihrem Kampf gegen das Unfallproblem ist die Polizei knallhart mit Temposündern und man ist schnell ein paar hundert Dollar los.
Naturliebhaber kommen in Neuseeland voll auf ihre Kosten, Highlights der Nordinsel sind unter anderem die wunderschönen Küstenlandschaften der Bay of Islands, das Vulkangebiet im Tongariro National Park und die unterirdischen Wunder der Waitomo Caves. Auf der Südinsel sollte man sich die unberührten Buchten im Abel Tasman National Park und die wildromantischen Steilküsten im Fjordland nicht entgehen lassen. Daneben gibt es unzählige Einmaligkeiten, die es zu entdecken gilt: Hot Water Beach, Franz Josef Gletscher, Rotorua, Marlborough Sounds,.... Wie gesagt, Recherche im Vorfeld lohnt sich.
Adrenalinjunkies dürfen sich ebenfalls wie im Paradies fühlen: Kiwis sind wahre Meister im Dummheiten ausdenken. Ob Bungy, Skydiving, Rafting, Zorbing, Canyon Swing – alles ist machbar. Die Draufgängerzentrale befindet sich in Queenstown, von wo aus auch die Bungy-Hysterie ihren Anfang nahm. Es kann sich aber positiv auf den Geldbeutel auswirken, wenn man über Queenstown hinausschaut. Aus Preisgründen empfehle ich Skydiving in Taupo oder Jetboating in Westport. Aber der Preis ist ja nicht das einzige Kriterium: Wer zum Kick zusätzlich noch atemberaubende Landschaft braucht, ist in Queenstown sicherlich besser aufgehoben.
Erste Anlaufstelle für Infos und Buchungen war für mich stets das Backpacker’s World-Büro am Cathedral Square in Christchurch. Die Damen dort waren sehr hilfsbereit und kompetent!
Herr der Ringe
Ein weiterer Grund für viele, Neuseeland zu besuchen, ist die Jagd nach Herr der Ringe-Drehorten. Ich bin selber ein großer Fan und habe soviel locations wie möglich aufgesucht. Offizielle Touren, die von einem Tag bis zu zwei Wochen dauern können, sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen, die Kiwis haben schnell das potentielle Geschäft mit dem Ring erkannt. Ich empfehle aber aus Kostengründen, sich selber ein Auto zu mieten und die Plätze zu suchen. Der Location-Guide von Ian Brodie (www.amazon.de/Lord-Rings-Location-Book/dp/0007179251/ref=pd_bbs_sr_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1197243953&sr=8-1) ist zwar manchmal ein Mysterium, unterm Strich aber trotzdem nützlich. Außerdem sind die i-site Büros in den Orten auf die Ring-Fans vorbereitet und die Mitarbeiter wissen meist über die örtlichen Drehorte Bescheid. Auch Privathäuser haben sich als Hilfe entpuppt, die Leute haben mir entweder gerne weitergeholfen oder sich mit bedauerndem Lächeln als ahnungslos entschuldigt. Abgewiesen wurde ich nie, egal ob es das letzte Haus in der Pampas oder die Polizei in Hamilton war (mit höflichem Fragen erreicht man in NZ viel!). Offizielle Tages-Touren habe ich nur in Wellington und Queenstown gebucht, einfach weil es dort jede Menge locations gibt und meine Zeit fürs Suchen nicht ausgereicht hätte. Für unter 100 $ kommt man aber hier auf keinen Fall weg, wie gesagt, die Leute haben den Wert der Sache erkannt. Für Wellington habe ich die Tour von Rover (www.wellingtonrover.co.nz) gemacht, die sehr spaßig und informativ war. Trotzdem denke ich, dass die Tour von movietours (www.adventuresafari.co.nz) besserer Wert fürs Geld gewesen wäre. In Queenstown habe ich mich für die Tour von Wanaka Sightseeing (www.lordoftheringstours.co.nz) entschieden, die sehr teuer, aber auch sehr gründlich ist. Bei beiden Touren gabs lunch und es wurden Fotos zur besseren Orientierung gezeigt. Bei der Wanaka-Tour wurden sogar die einzelnen Szenen auf den DVDs abgespielt und es konnten Fotos mit den Waffen gemacht werden.
Der Kiwi an sich
Die Neuseeländer sind ein sehr aufgeschlossenes Völkchen, die wissen, was sie an ihren Touristen haben. Ich wurde überall freundlich behandelt, ob im hintersten Farmland oder in Downtown Wellington. Die Kiwis sind sehr offen und zugänglich und ein Smalltalk an der Supermarktkasse, wie denn der Tag war, ist nicht ungewöhnlich. Wer höflich und zuvorkommend ist, hat in Neuseeland schon viel gewonnen, weil man es doppelt zurückbekommt. Ich denke da zum Beispiel an den Optiker, der mir ein paar Kontaktlinsen geschenkt hatte, nachdem ich meine eigenen verloren hatte. Oder der Guide auf einer Herr der Ringe-Tour, der mich nach offiziellem Ende spontan zu einer Extra-Location gefahren hat. Oder der Kiwi Experience-Busfahrer, der mich trotz fehlendem Ticket hat mitfahren lassen und sich während der Fahrt darum gekümmert hat. Die Mentalität ist sehr entspannt und „easy going“, Probleme sind da, um gelöst zu werden. „No worries“, diesen Satz habe ich mehr als einmal gehört.
Reiseführer
Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Reiseführer: schafft euch auf jeden Fall überhaupt einen an, ohne zu reisen, wäre sehr unklug. Für mich hat sich „Let’s go – New Zealand“ (http://www.amazon.de/Lets-Fo-NewZealand/dp/0312348894/ref=sr_4?ie=UTF&s=books-intl-de&qid=1196473610&sr=8-4) sehr bewährt, weil er aus der Sicht des armen Backpackers geschrieben ist und somit vollgestopft ist mit Tipps und Tricks, wie man das meiste aus seinem Geld machen kann. Wer der englischen Sprache ausreichend mächtig ist, sollte hier zuschlagen. Achtet aber auf die aktuellste Edition, ich hatte die 2006er und selbst hier haben manche Angaben schon nicht mehr gestimmt. Im Großen und Ganzen ist das Ding aber sehr zuverlässig gewesen. Für jeden Ort gibt’s die besten Hostels aufgelistet, dazu die billigsten Internetcafes und Restaurants und was man sonst noch so braucht. Komplett mit Preisen, Öffnungszeiten und Telefonnummern.
Es wäre schön, wenn jemandem diese Tipps zu einem ähnlich tollen und aufregenden Auslandssemester, wie ich es erlebt habe, verhelfen könnten! Sollten noch Fragen offen sein, bin ich gerne bereit, diese zu beantworten.
Erfahrungsbericht - Ingemar Carl
Dieser Bericht steht Ihnen auch als PDF Datei (inkl. Bildern, 4.76 MB) zur Verfügung.
Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium in Christchurch, Neuseeland
1. Das LL.M.-Studium in Neuseeland
1.1 Der Aufbau des Studiums
1.2 Die Anforderungen an einen LL.M.- Studenten aus Deutschland
1.3 Getting started
1.4 Die Themenwahl
1.5 Der Zeitrahmen für das Studium
1.6 Das neuseeländische Recht
1.7 Die Ressourcen an der Universität
1.8 Das Lehrpersonal
1.9 Praktika
2. Die Vorbereitung des LL.M.-Studiums
2.1 Zeitrahmen für die Vorbereitung
2.2 Visum
2.3 Krankenversicherung
2.4 Flug
2.5 Reisegepäck
2.6 Einführende rechtliche
Materialien als Vorbereitung
3. Die Finanzierung des LL.M.-Studiums
3.1 Studiengebühren
3.2 Kosten der Wohnung
3.3 Lebensmittel
3.4 Bankkonto, Reiseschecks,
Kreditkarten
3.5 Stipendium
3.6 Budget
4. Unterkunft und Verpflegung
5. Leben in Christchurch
5.1 Christchurch als Stadt
5.2 Studentenleben
5.3 Studentenclubs
6. Natur und Ausflüge
7. Sicherheit und Vandalismus
8. LL.M. in Christchurch lohnt sich!
Nach meiner Ersten Juristischen Staatsprüfung und der Promotion entschied ich mich, im Jahr 2006 für zehn Monate an die University of Canterbury in Christchurch, Neuseeland, zu gehen, um dort einen LL.M.-Studiengang zu besuchen. Dieser Bericht über meine Erfahrungen dort soll nachfolgenden Studenten, die sich ebenfalls Gedanken über einen LL.M. machen, eine Hilfe sein, einen Überblick über Vorbereitung und Durchführung eines solchen Studiums zu bekommen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie mühsam Internet-Recherchen (vor allem auf englischsprachigen Websites) sein können, und wie hilfreich eine Zusammenfassung ist.
1. Das LL.M.-Studium in Christchurch
1.1 Der Aufbau des Studiums
An der University of Canterbury in Christchurch gibt es mehrere Programme für postgraduierte Juristen: zum einen das normale LL.M.-Studium, zum anderen den so genannten ILAP (einen LL.M. in ‚International Law and Politics’). Der ILAP ist nicht nur bei Jurastudenten beliebt, sondern auch bei Studenten anderer Fachrichtungen, etwa Politologen. Ich absolvierte von Februar bis Dezember 2006 das normale LL.M.-Studium.
Der normale LL.M. ist in Christchurch wiederum unterteilt: Erstens gibt es den besonders beliebten ‚LL.M. by Research Papers and Dissertation’, für den ich mich entschieden habe. Zweitens besteht die Möglichkeit des ‚LL.M. by Thesis’. Christchurch hat also nicht einen ‚LL.M. by Coursework’ oder ähnliches, obwohl Kursarbeit durchaus Gegenstand der Bewertung sein kann (dazu sogleich).
Der LL.M. by Research Papers and Dissertation sieht folgendermaßen aus: Man muss drei verschiedene Fächer (subjects) wählen, das heißt drei Kurse. Diese Kurse sind Vorlesungen, die sowohl von Undergraduate Students als auch von Postgraduate Students besucht werden können und die von unterschiedlicher Größe sind. Es gibt folgende Optionen:
a) In jedem der Kurse schreibt man zwei Research Papers à 10.000 Wörter (das sind ungefähr dreißig DIN A 4-Seiten mit anderthalbfachem Zeilenabstand ohne Rand), also insgesamt sechs Papers. Diese Option wird häufig gerade ausländischen Studenten empfohlen, weil man für die Papers genügend Zeit hat und sich alles genau überlegen kann, wohingegen es für Ausländer natürlich ein „Sprung ins kalte Wasser“ ist, gleich Klausuren mitzuschreiben. Außerdem ist der Vorteil, dass man mit den Research Papers sehr flexibel ist (etwa wie bei einer Doktorarbeit in Deutschland), sich die Zeit selbst einteilen kann und die Kurse nicht zwingend besuchen muss. Der Nachteil ist, dass relativ viele Themen selbstständig herausgesucht werden müssen. Insgesamt schreibt man etwa 180 Seiten (was sich nach mehr anhört als es ist).
b) Man schreibt nur in zwei der drei Kurse zwei Research Papers à 10.000 Wörter und dafür im dritten Fach eine dissertation à 20.000 bis 25.000 Wörter. Diese Lösung hat den Charme, dass man sich ein Thema weniger suchen muss und dafür bei der dissertation mehr ins Detail gehen kann.
c) Man kann auch in einem oder zwei Kursen eines der Research Papers dadurch ersetzen, dass man die Anforderungen des jeweiligen Kurses erfüllt. Diese sind unterschiedlich: In kleineren Vorlesungen herrscht Seminarcharakter, hier sind häufig kleinere Essays zu schreiben und ein Vortrag zu halten. Hier herrscht auch häufig eine Anwesenheitspflicht. In größeren und juristisch grundlegenden Vorlesungen gibt es meist ein Essay und eine Abschlussklausur. Im dritten Kurs muss man dann eine dissertation schreiben. Insgesamt schreibt man also nur drei bis vier Papers. Auch diese Variante ist beliebt, weil sie nicht so viel Schreibarbeit bereitet. Außerdem kommt man mit neuseeländischen Jura-Studenten in Kontakt, was nicht selbstverständlich ist (fast keiner der LL.M.-Studenten meines Kurses war Nicht-Deutscher).
Die Varianten können nachgelesen werden in der Broschüre für Postgraduates, siehe .
Empfehlung: Die Variante, nur Papers zu schreiben, hat sich für mich als vorteilhaft herausgestellt. Die Papers fallen bei ausländischen Studenten häufig besser aus als Klausuren, vielfach springt ein „A“ (Höchstnote) heraus. Zudem hat man keinen Lernstress, sondern kann kontinuierlich arbeiten. Dies ist besonders von Vorteil, wenn man das Land etwas erkunden und vielleicht einmal eine Woche Urlaub machen möchte. Wer den Kontakt zu den neuseeländischen Studenten schätzt, kann auch Kursarbeit und Paper kombinieren – bei war das möglich bei einem Mini-Paper, das ich in Gruppenarbeit zu erstellen hatte. Weil der LL.M. in Christchurch ein fast durchweg mit deutschen Studenten besetztes Programm ist, ist ein solcher Kontakt gerade wichtig (an manchen Tagen spricht man sonst fast nur deutsch!). Eine gute Mischung ist sicher sinnvoll.
Übrigens: Wechsel der Kurse sind relativ unproblematisch möglich. Zwar gibt es eine Deadline, nach der laut Uni nicht mehr kostenfrei gewechselt werden kann. Allerdings benutzt man ja meist keinerlei Ressourcen bevor ein Kurs losgegangen ist, so dass man keine Kosten verursacht. Wer also noch im zweiten Halbjahr einen anderen Kurs besuchen möchte als ursprünglich geplant, sollte dies ruhig probieren und im Büro der Law School nachfragen.
Der LL.M. by Thesis besteht nur aus einem einzigen Paper. Dieses muss dann ca. 60.000 bis 70.000 Wörter lang sein. Das Gute an dieser Variante des LL.M. ist, dass man evtl. eine Doktorarbeit mit der Thesis verbinden kann. Außerdem ist man sehr flexibel, muss weniger Themen suchen. Man hat allerdings auch weniger Chancen, eine nicht so gute Note wieder auszugleichen.
1.2 Die Anforderungen an einen LL.M.-Studenten aus Deutschland
Die Voraussetzungen für ein LL.M.-Studium in Christchurch sind die Examensnote und ein Sprachtest (etwa TOEFL oder IELTS). Die Anforderungen der Law School an ein deutsches Examen liegen unterhalb des ‚Vollbefriedigend’, ein ‚Befriedigend’ genügt in der Regel.
Die Arbeitsweise eines LL.M.-Studenten ist sehr selbstständig, worauf die Dozenten auch immer wieder Wert legen. Gerade wer nur Research Paper schreibt, kann sich den Tag frei einteilen. Man hat also alle Freiheiten, benötigt allerdings auch ein wenig Disziplin. Vor allem wird Wert darauf gelegt, dass man nicht ungekennzeichnet von anderen abschreibt (plagiarism), was zur Versagung des LL.M.-Titels führen kann.
Häufig hört man, dass man schon einigermaßen gut Englisch sprechen müsste, um ein LL.M.-Studium erfolgreich absolvieren zu können. Dies kann ich nicht unbedingt bestätigen. Natürlich helfen gute Englisch-Vorkenntnisse, aber es gab in meinem Jahrgang auch Studenten, die nichts weiter als Schulenglisch mitbrachten und zunächst einen gehörigen Akzent hatten. Auch solche Kandidaten schaffen das Studium aber in aller Regel. Also: Wer TOEFL-Test oder ähnliches gut bestanden hat, sollte sich nicht allzu große Sorgen machen. Auch die neuseeländischen Studierenden nehmen einen meist wohlwollend auf. Häufiger hörte man sogar den Kommentar, dass das Englisch der deutschen Studenten besser sei als das der neuseeländischen.
Die Benotung durch die Dozenten ist zumeist nicht superhart (Ausnahmen bestätigen die Regel!). Was vorkommen kann, ist, dass ein Dozent es mit den Papers genau nimmt und häufiger Nachbesserungen will. Davon gab es in meinem Jahrgang einige Fälle. Auch wenn das meist ärgerlich ist, sollte man nicht in Panik geraten. Da die Endnote für den LL.M. nicht auf der Abschluss-Urkunde steht, sinkt der Druck, eine erstklassige Note bekommen zu müssen.
Die University of Canterbury bietet Hilfen für ausländische Studenten an. Zum Beispiel gibt es Kurz-Seminare über das Schreiben eines Research Papers, die Grammatik, das Inhaltsverzeichnis und so weiter. Die Kurz-Seminare habe ich persönlich nicht als wirklich hilfreich empfunden, weil die meisten Dinge tatsächlich selbstverständlich sind („Welche Dinge schreibe ich mir während einer Vorlesung mit?“). Was ich dagegen empfehlen kann, ist das so genannte ‚Proof Reading’, welches der Universitätsdienst WASS anbietet. Hier kann man einmal in der Woche für eine Stunde einen Teil seines Geschriebenen zusammen mit einem Korrektor durchgehen und verbessern. Mir hat dies sehr geholfen, weil ich auf meine eigenen Fehler hingewiesen wurde und diese Erkenntnisse dann im folgenden verwerten konnte.
1.3 Getting started
Wenn man in Christchurch angekommen ist, hat man als LL.M.-Student erst einmal ein paar Tage, um alle möglichen Dinge zu organisieren und sich ein bisschen einzugewöhnen. Es besteht kein Grund zur Hektik. In der ersten Woche gibt es meist eine Informationsveranstaltung für die neuen LL.M.-Studenten, die auch die Gelegenheit gibt, ein paar Dozenten kennen zu lernen. Außerdem findet das ‚Enrolment’ statt, also die Einschreibeprozedur. Diese war zumindest in meinem Jahrgang ziemlich ärgerlich, weil sie über acht Stunden gedauert hat und umständlicher nicht hätte sein können (man jage 2000 Studenten einen Tag lang durch ein Gebäude, um dort in etwa 20 Computerräumen von anderen Studenten jeweils einen Schritt eines komplizierten Computerprogramms eingeben zu lassen). Es kann aber gut sein, dass sich das ganze mittlerweile gebessert hat.
Mit dem Enrolment bekommt man auch seine Canterbury Card, die einem Zugangs- und Ausleihberechtigung für alle möglichen Einrichtungen verschafft. Bei der Law School hat man damit rund um die Uhr Zugang.
In der Woche darauf beginnen meist die Vorlesungen. Wer Course work mitmachen möchte (s. oben zu den verschiedenen Möglichkeiten), sollte diese unbedingt besuchen. Ansonsten kann man sie sich aber auch interessehalber anhören.
Zunächst ist es wichtig, seine Kurse zu wählen und ein Formblatt vom entsprechenden Professor abzeichnen zu lassen. Dabei lernt man schon mal seine Dozenten kennen. Die Kurse muss man bereits beim Enrolment angeben, kann sie aber für eine bestimmte Zeit danach noch kostenlos ändern. Dann kann man sich an die Themenfindung machen und das Thema mit dem Dozenten besprechen.
1.4 Die Themenwahl
Bei den Research Papers, welche den Hauptteil des wissenschaftlich ausgerichteten LL.M. ausmachen, gilt: Die Themen müssen selbst recherchiert werden. Dies bereitet vielen am Anfang etwas Unbehagen, weil sie sich einer fremden Rechtsordnung eines fremden Rechtskreises (common law) gegenüber sehen, und vieles neu ist. Allerdings finden sich die meisten dann auch schnell zurecht.
Eine gute Möglichkeit ist, sich relativ neue Themen aus Zeitschriften herauszusuchen. Da die meisten Zeitschriften englischer oder amerikanischer Herkunft sind, die Rechtssysteme dieser Länder aber häufig vergleichbar sind, bietet es sich an, diese aktuellen Themen auf das neuseeländische Recht zu übertragen. Es macht nämlich auch wesentlich mehr Spaß, über aktuelle Dinge zu schreiben. Natürlich können auch ältere Themen aus Lehrbüchern gefunden werden. Viele deutsche Studenten wählen ein rechtsvergleichendes Thema. Dies ist meines Erachtens nicht unbedingt zu empfehlen, weil es in der Law School der Universität nicht viel deutsches Material gibt (keine Kommentare, keine Zeitschriften, nur ein paar Monographien). Jedes Thema muss mit dem sog. Supervisor, also dem jeweiligen betreuenden Dozenten, zunächst abgesprochen werden. Hilfreich ist dafür eine outline, also eine kurze Inhaltsangabe von 1-2 Seiten, für die es generell keine besonderen Formvorschriften gibt.
Es ist nicht unbedingt notwendig, dass man als LL.M.-Kandidat bereits Vorkenntnisse von den Themen hat, über die man schreiben will. Bei mir war es so, dass ich ein Thema (Intellectual Property Law) ganz neu kennen gelernt habe. Meist sind die Themen für die Research Paper so speziell, dass man nicht einen Überblick über das ganze Rechtsgebiet braucht. Allerdings können Vorkenntnisse natürlich nicht schaden, dadurch kann man Themen besser finden und kann unter Umständen rechtsvergleichend schreiben.
1.5 Der Zeitrahmen für das Studium
Ein LL.M.-Studium in Christchurch ist in zwei Semestern zu schaffen. Das bedeutet, wenn man im Februar anfängt, kann man davon ausgehen, Ende November wieder nach Hause fahren zu können. Wenn man im Juli anfängt, dauert das Studium etwa bis April (dies ist evtl. anders, wenn man im zweiten Halbjahr Kursarbeit mitmachen muss: Wenn Anwesenheitspflicht besteht, muss man evtl. bis Juni bleiben). Dieser Zeitrahmen gilt ungeachtet der Tatsache, dass die Universität die Dauer des LL.M.-Studiums stets mit einem Jahr angibt. Insgesamt muss man im normalen LL.M.-Studium ca. 60.000 bis 65.000 Wörter schreiben. Das sind etwa 180 DIN A4-Seiten auf englisch. Das hört sich zwar zunächst nach viel an. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass man an einem Tag etwa 500 Wörter schreiben kann, also etwas über eine Seite, dann benötigt man für die Gesamtwortzahl gerade einmal ein halbes Jahr. Wer die Wochenenden nicht durcharbeitet, kann also gut in einem dreiviertel Jahr fertig sein.
Man ist allerdings meist relativ flexibel (besonders wenn man nur Research Paper bzw. eine dissertation schreibt), kann also auch früher wieder fahren und noch einen Teil zu Hause in Deutschland schreiben oder ähnliches. Manche Studenten meines Jahrgangs haben sich auch ein volles Jahr oder sogar zwei Jahre für das Studium Zeit gelassen. Zwei Jahre sind meines Erachtens schon etwas lang, denn so hoch sind die Arbeitsanforderungen nicht. Andererseits hat man dadurch die Möglichkeit, Neuseeland kennen zu lernen oder nebenbei zu arbeiten. Eine andere Variante ist es, sich ein Jahr für den LL.M. Zeit zu lassen und dann im zweiten Jahr einen Solicitor-Abschluss in Neuseeland zu machen.
Im Februar in Christchurch das Studium zu beginnen hat den Vorteil, dass man nicht eine lange Sommerpause bei den Kursen hat. Andererseits erlebt man dann in der Regel drei Winter nacheinander (die deutschen Winter eingeschlossen). Zudem bietet der Sommer in Neuseeland viele Gelegenheiten für Aktivitäten, so dass viele auch im Juli das Studium beginnen und dann im neuseeländischen Sommer Urlaub machen.
1.6 Das neuseeländische Recht
Eine kleine Anmerkung zum neuseeländischen Recht: Es gab hier wohl kaum einen unter den deutschen LL.M.-Studenten, der mit dem common law des englischsprachigen Rechtskreises übermäßig sympathisierte (obwohl es durchaus interessant sein kann). Die meisten sehnten sich schon nach wenigen Wochen nach dem geordneten, auf Gesetzen basierenden deutschen Rechtssystem mit anständiger Kommentarliteratur zurück. Dieser Eindruck ist verständlich. Das englische Rechtssystem, dem das neuseeländische stark ähnelt, basiert vor allem auf Fallrecht, ergänzt durch Gesetzesrecht. Allein schon diese Zweiteiligkeit ist verwirrend, weil sie einschließt, dass auch Richter geltendes Recht setzen können. Für ein Rechtsproblem kann es vorangehende Fälle geben, die evtl. bindend sind (binding precedent), manchmal aber auch nur Auslegungshilfe sind (so jetzt auch englische Fälle). Oft muss man eine ganze Reihe von solchen Entscheidungen durchgehen, um eine rechtliche Lösung präsentieren zu können (was in Deutschland durch einen einfachen Blick ins Gesetz möglich wäre). Hinzu kommt, dass die Entscheidungen häufig lang und verwirrend sind: Bei höchstrichterlichen Entscheidungen geben meist mehrere Richter ihre eigene Einschätzung zum besten, die durchaus in Kontrast zu den anderen Meinungen stehen kann. Dieses System muss man nicht für sinnvoll halten, weil Altfälle natürlich auch meist nie genau zu einem neuen rechtlichen Problem passen, sondern nur sinngemäß angewendet werden können. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Großbritannien doch ein wenig Glück hat, dass ein Teil ihres Rechts jetzt durch das kontinental-europäische Recht reformiert wird! In Neuseeland muss man sich allerdings durch das traditionelle common law kämpfen, was einem gerade am Anfang gewisse Probleme bereiten kann.
1.7 Die Ressourcen an der Universität
Die University of Canterbury hat mehrere Bibliotheken und eine ganze Reihe von elektronischen Ressourcen, die für das Studium und das Anfertigen von Research Papers förderlich sein können. Die Law Library ist allerdings vergleichsweise winzig, enthält nur ca. 25.000 Bücher. Leider sind diese Bücher nicht immer gut ausgewählt: So gibt es zwar deutsche Dissertationen über spezielle Themen, nicht aber eine neuere Ausgabe des ‚Palandt’ oder sonstige Kommentare. Hier sind andere neuseeländische Bibliotheken sicherlich besser ausgestattet. Zwar kann man sich auch in relativ kurzer Zeit ein Buch aus einer anderen neuseeländischen Bibliothek bestellen, allerdings ist die Ausleihfrist ziemlich kurz bemessen (in der Regel drei Wochen, kann aber verlängert werden).
Ungewohnt für einen deutschen Studenten ist die Vielzahl juristischer Databases wie Westlaw oder LexisNexis. Allein sieben Databases sind von der Website der Universität zugänglich. Die Databases gleichen den Buchmangel für die LL.M.-Studenten wieder ein wenig aus, weil viele Ressourcen mittlerweile online erhältlich sind. Am Anfang des Studiums bietet die Law Library einführende Kurse für die unterschiedlichen Databases an. Diese Kurse geben einen guten Einstieg: Ich würde aber davon abraten, zu viele davon zu machen, da die Databases meist relativ ähnlich sind und man sie sich schnell selbst beibringen kann.
Die Universität ist computertechnisch gut ausgerüstet, es gibt viele Computerräume. Die LL.M.-Studenten haben eigene Räume und Schreibtische in der Law School, die einen Internet-Zugang für Laptops bieten. Notwendig ist dafür eine entsprechende Ethernet-Karte. Allerdings kann man für Internetrecherchen auch einen der zahlreichen Computerräume benutzen.
Kritik: Trotz aller elektronischen Unterstützung musste ich während meiner Paper manchmal ein wenig improvisieren. Das Buchmaterial in manchen Bereichen ist spärlich, und Internet-Recherchen per Suchbegriff über Datenbanken wie Westlaw können sich oft hinziehen. Wer die Quellenarmut vermeiden will, der sollte die größeren Universitäten (Auckland oder Wellington) wählen. Andererseits gibt es auch Themenbereiche wie etwa das Arbeitsrecht, so es viel Fallmaterial online und auch mehr Bücher gibt. Positiv fällt die Beratung durch die Bibliothekare auf, die sich stets große Mühe geben weiterzuhelfen.
Kritisch anzumerken bleibt zudem, dass trotz der großen Internet-Lastigkeit der Recherche der Zugang zum Netz nicht kostenlos ist. Das bedeutete, dass man regelmäßig seine Canterbury Card aufladen musste, um recherchieren zu können (bei mir war es etwa 1 NZ-Dollar am Tag). Ist das Konto auf der Karte einmal überzogen, musste man erst Geld aufladen und dann etwa eine halbe Stunde warten, am Wochenende ging dies gar nicht.
1.8 Das Lehrpersonal
Wer deutsche Professoren gewöhnt ist, ist meist von den neuseeländischen Lehrenden positiv überrascht. Viele Professoren an der Law School fahren eine ‚Open Door’ Policy, das heißt man kann jederzeit an die Tür klopfen und ihnen Fragen stellen. Die meisten Professoren beraten dann auch sehr adäquat und geben Hilfe. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich auf diese Weise in ein fremdes Rechtssystem einfindet.
Kritisch anzumerken bleibt, dass zumindest der „normale“ LL.M.-Kurs nicht zentral betreut wird. Zwar steht man mit den einzelnen Professoren in Kontakt, aber es gibt keine regelmäßigen Treffen und keine allgemeine Einführung in das fremde Rechtssystem und in die „Kunst“, ein Research Paper zu schreiben. Dies empfand ich als verbesserungsbedürftig. Im Programm „International Law & Politics“ (ILAP) ist eine bessere Betreuung gegeben.
1.9 Praktika
Der LL.M. in Christchurch sieht m.W. kein integriertes Praktikum vor. Natürlich kann man sich aber zum Beispiel bei einer neuseeländischen Anwaltskanzlei für ein solches internship bewerben. Christchurch ist jedoch nicht unbedingt das beste Pflaster dafür. Die meisten großen Law firms sitzen in Wellington oder Auckland, also auf der Nordinsel. Der LL.M. dort ist deshalb für ein Praktikum vorteilhafter.
2. Die Vorbereitung des LL.M.-Studiums
2.1 Zeitrahmen für die Vorbereitung
Der Bewerbungsprozess bei der University of Canterbury ist sehr kurzfristig. Man kann sich zwar noch relativ spät für das LL.M.-Studium bewerben, die Uni empfiehlt aber, dies zwei bis drei Monate vorher zu erledigen. Nach der Bewerbung bekommt man zunächst ein Angebot der Universität, das man dann annehmen kann. Später schickt die Universtität dann genauere Unterlagen zu. Viele Dinge sind zeitlich einzuplanen, etwa Visum, Unterkunft, Stipendium oder Flug (genauere Informationen unter den einzelnen Punkten). Gerade wer sich für ein Stipendium bewerben will, sollte sich ausreichend Vorlaufzeit lassen. Beispielsweise ist die Deadline für ein Stipendium des DAAD Ende März des Vorjahres. Andere Stipendiengeber benötigen noch mehr Vorlaufzeit. Auch bei den Flügen sollte man nicht zu spät kommen. Ich buchte meinen Flug, der im Februar ging, im August des Vorjahres und hatte keine Probleme. Ein halbes Jahr Vorlaufzeit ist dafür aber sich sinnvoll. Insgesamt ist ein Jahr Vorlaufzeit sinnvoll, aber es geht natürlich auch schneller, gerade wenn man kein Stipendium möchte.
2.2 Visum
Für das LL.M.-Studium in Neuseeland benötigt man ein Studentenvisum, das man bei der neuseeländischen Botschaft in Deutschland für 110 Euro (keine Kreditkarte, nur Schecks) bekommt. Zunächst muss dafür der Reisepass noch ausreichend lange gültig sein, und zwar bis drei Monate nach der geplanten Rückreise nach Deutschland. Die Visumsvergabe geht vorbildlich schnell: Bei mir dauerte der Vorgang nur etwa eine Woche. Möglich ist auch, zunächst ohne Visum einzureisen und dann ein Visum beim Immigration Office in Wellington zu beantragen. Davon rate ich allerdings ab, da man dann Schwierigkeiten mit der Einschreibung an der Universität bekommen kann, was wiederum dazu führen kann, dass es nicht möglich ist, bestimmte Dienste an der Uni in zu Anspruch nehmen. Das Studentenvisum berechtigt dazu, 20 Stunden pro Woche in Neuseeland zu arbeiten.
2.3 Krankenversicherung
Eine Krankenversicherung ist Pflicht für das Studium an der University of Canterbury. Ohne diese kann man sich nicht als Student einschreiben. Die Universität bietet eine eigene Versicherung an, Marsh Studentsafe. Diese ist nicht übermäßig teuer, die Gebühren für ein Jahr betrugen in 2006 etwa 450 NZD. Es gibt auch andere neuseeländische Anbieter, die ebenfalls Studenten-Pakete anbieten. Wer eine andere Krankenversicherung bereits in Deutschland abschließen möchte (wie ich!), sollte dies mit Vorsicht tun: Die neuseeländischen Behörden akzeptieren nur Krankenversicherungen, die besondere Voraussetzungen erfüllen. Diese können im Internet abgerufen werden, und zwar unter http://www.minedu.govt.nz/web/downloadable/dl6803_v1/final-guidelines-4web.pdf. Da diese Voraussetzungen relativ eng sind, ist der Einfachheit halber zu empfehlen, Marsh Studentsafe zu wählen. Ich hatte eine deutsche Krankenversicherung, die ich dann wieder kündigen musste, weil sie die Voraussetzungen knapp verfehlte.
2.4 Flug
Es ist zu empfehlen, den Flug etwa ein halbes Jahr im Voraus zu buchen. Es gibt Flüge über die Westroute (USA) und die Ostroute (Asien). Beide sind von der Dauer vergleichbar, allerdings kostet die Ostroute weniger. Ich habe via Ostroute einen Hin- und Rückflug für etwa 1.100 Euro inklusive Steuern via bei STA Travel bekommen. Günstige Flüge können allerdings schnell ausgebucht sein. Möglich ist auch, einen Flug nach Auckland zu buchen und dann von dort einen Inlandsflug (etwa 80 NZ-Dollar) nach Christchurch zu nehmen. Dies sollte man allerdings meines Erachtens nur tun, wenn man dabei erheblich Geld sparen kann, denn nach ca. 30 Stunden auf Flughäfen und in Flugzeugen hat man das starke Bedürfnis endlich anzukommen!
Ohnehin ist der Flug eine Belastung. Ich rate deshalb auch von Stop-Overs ab, die manche Fluglinien anbieten. Auf dem Hinflug hatte ich einen kostenlosen Aufenthalt von einer Nacht in Dubai inklusive Hotel. Zwar gibt dies die Möglichkeit, Städte kennen zu lernen, andererseits verlängert sich die Reisezeit erheblich. Ich kam erst nach etwa sechzig Stunden in Christchurch an und muss sagen, dass sich dafür der Stop-Over nicht wirklich gelohnt hat.
2.5 Reisegepäck
Das Gewicht des Reisegepäcks hängt von dem gebuchten Flug ab. Auf der Westroute darf man meist 2 x 32 Kilogramm mitnehmen, was komfortabel ist. Auf der Ostroute muss sich der Reisende mit 20 Kilogramm Gepäck begnügen, was nach meiner Erfahrung gerade eben so ausreicht. Wenig Probleme gab es allerdings beim Handgepäck: Dies wurde auf meinem Flug nie gewogen und ich hätte auch mehrere Gepäckstücke mit an Bord nehmen können.
Die Auswahl der Kleidung ist natürlich gerade bei wenig Gepäck ein Problem. Wer im Winter in Christchurch den LL.M. macht, sollte sich genügend warme Kleidung mitnehmen. Zwar ist der Winter in Neuseeland milder als der europäische (selten unterhalb des Gefrierpunktes, oft auch oberhalb der 10-Grad-Grenze), aber viele Häuser haben keine Zentralheizung, sind schlecht isoliert und deshalb ausgekühlt.
Wer als Backpacker das Land kennen lernen will, kann viele Dinge auch vor Ort erwerben, etwa einen großen Rucksack. Es gibt zahlreiche Tramping and Mountaineering Stores, die zum Teil auch günstige Preise haben und ‚Sale’-Verkäufe anbieten.
Einige Tipps für das Gepäck:
a) Deutsche Jura-Bücher: Abzuraten, weil sehr schwer und meist ohnehin nicht von besonders großem Nutzen (es sei denn, es wäre ein sinnvoller Kleinkommentar für ein rechtsvergleichendes Thema).
b) Deutsch-Englisch-Dictionaries: Sicher zu empfehlen, allerdings nicht unerlässlich, zumal sie meist viel wiegen. Es gibt Online-Wörterbücher wie LEO. Spezial-Jura-Dictionaries wie von Alpmann Schmidt sind deshalb auch wenig sinnvoll.
c) Anzug für Männer: Eher wenig Gelegenheit ihn zu tragen. Ausnahme bei Praktika in Kanzleien oder bei bestimmten Anlässen (Bälle etc.).
d) Warme Kleidung: Sinnvoll sind zum Beispiel Jacken, die ein Inlay aus Fleece haben, welches man bei höheren Temperaturen herausnehmen kann. Man sollte ohnehin Schichten tragen, weil die Temperaturen hier oft wechseln.
e) Internationaler Führerschein: Braucht man nicht, es reicht der deutsche Führerschein.
f) Laptops: Sicherlich sinnvoll, gerade weil der LL.M. in Christchurch sehr schreiblastig ist. Allerdings stellt die Uni auch Speicherplatz für die LL.M.-Studenten bereit, so dass man auch am Computer schreiben kann. Wer lieber von zuhause arbeitet, sollte einen Laptop mitführen.
2.6 Einführende rechtliche Materialien als Vorbereitung
Da man als deutscher LL.M.-Student zumeist noch nicht mit dem common law des englischsprachigen Rechtskreises zu tun hatte, ist eine kleine Einführung in das Rechtssystem gar nicht schlecht. Um unnötigen Recherchen vorzubeugen: In Deutschland gibt es auf dem Buchmarkt keine deutschsprachige Einführung in das neuseeländische Recht. Dies ist allerdings auch nicht nötig, da sich das neuseeländische Recht sehr stark an das englische Recht anlehnt, um nicht zu sagen: eine Kopie davon ist. Als deutschsprachige Einführung ins englische Recht kann ich Christoph Graf von Bernstorff, Einführung in das englische Recht, C.H. Beck Verlag, 3. Aufl., 2006, ISBN 3-406-53499-6, empfehlen, die sehr aktuell und angenehm kurz gehalten ist und sich gut lesen lässt. Wer eine kurze englischsprachige Einführung in das neuseeländische Recht sucht, sollte auf Richard Scragg, New Zealand’s Legal System, Oxford University Press, 2005, ISBN 019558422-8, zurückgreifen. Diese ist leicht geschrieben und nur ca. 150 Seiten stark.
3. Die Finanzierung des LL.M.-Studiums
3.1 Studiengebühren
Das LL.M.-Studium in Neuseeland ist eines der günstigsten weltweit. Jedenfalls für Deutsche, da es ein Regierungsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Neuseeland gibt, wonach deutsche Studenten nur die domestic fees, also die einheimischen Studiengebühren, bezahlen müssen. Die Studiengebühren für ein LL.M.-Studium in Christchurch betrugen im Jahr 2006 NZD 3963.
3.2 Kosten der Wohnung
Die Kosten für eine Wohnung in Christchurch liegen deutlich unterhalb der deutschen Preise. Wer „flattet“, also eine Wohnung bzw. ein WG-Zimmer in Christchurch nimmt, bezahlt oft nur 60 bis 100 NZ-Dollar pro Woche, also etwa 120 bis 200 Euro pro Monat. Außerdem kann man in eines der Studentenwohnheime ziehen, die ebenfalls zum Teil gute Preise anbieten. Ich wohnte im Ilam Village, das ca. 130 NZ-Dollar pro Woche verlangt. Der Vorteil an diesem Studentenwohnheim ist, dass es im Winter sehr gut beheizt ist, was man in Christchurch von wenigen Wohnungen sagen kann. Wer in Ilam Village wohnen möchte, sollte sich aber für eins der neuen Flats bewerben, da diese mehr Platz bieten und komfortabler sind. Die alten Flats bieten allerdings ebenfalls einen relativ guten Standard.
Einen guten Überblick über die Studentenwohnheime an der Universität bietet die Uni-Homepage. Man gelangt dorthin, indem man auf ‚Prospective Students’ und dann auf ‚Accomodation’ klickt.
3.3 Lebensmittel
Die Kosten für Lebensmittel dürften etwas über den deutschen Preisen liegen, zumal Neuseeland eine Insel ist und vieles importieren muss. Außerdem gibt es bislang keine Billig-Supermärkte wie ALDI. Bestimmte Dinge stechen heraus, wie etwa im Winter die Preise für Gemüse (z. B. 11 Dollar für ein Kilo Paprika). Hier einige Preise:
a) 1 Tafel Schokolade (250 g): 3 NZD.
b) 1 Bier in der Kneipe: 4,50 bis 7 NZD.
c) 1 Liter Milch: 1,85 NZD.
d) 1 Liter Benzin: 1,76 NZD (Benzinpreise
sind auch in Neuseeland gestiegen!)
e) 1 x im guten Restaurant essen: 20 bis 35
NZD.
f) 6 Brötchen: üblicherweise 3 NZD.
3.4 Bankkonto, Reiseschecks, Kreditkarten
Eine gute Möglichkeit ist es, als international student ein Konto bei einer neuseeländischen Bank zu eröffnen und sich einen Geldbetrag aus Deutschland überweisen zu lassen. Zwar fällt eine Überweisungsgebühr an, dafür hat man aber das Geld vor Ort verfügbar und bekommt eine Kreditkarte einer neuseeländischen Bank. Mit einer solchen Kreditkarte kann man am bargeldlosen Zahlungsverkehr (EFTPOS) in Neuseeland teilnehmen und sich sogar im Supermarkt Bargeld auszahlen lassen. Vorteil ist auch, dass sogar Restaurants und Supermärkte diese Karten akzeptieren. Zwischen den neuseeländischen Banken herrscht ein relativ starker Wettbewerb um die Studenten, deshalb kosten Studenten-Konten meistens nichts. Viele Banken geben einem sogar noch Bonusgeschenke, wenn man ein Konto bei ihnen eröffnet (zum Beispiel vergab die National Bank of New Zealand in 2006 einen MP3-Player).
Möglich ist es auch, Reiseschecks mitzunehmen, die bei Verlust ersetzt werden. Dies würde ich jedoch nur für den Beginn des Neuseeland-Aufenthalts empfehlen. Ein Vorteil von auf Euro ausgestellte Reiseschecks kann sein, dass man einen günstigeren Umrechnungskurs abwarten kann, um sie dann in NZD einzulösen.
Weiterhin besteht die Möglichkeit, eine deutsche Kreditkarte (Maestro, VISA) in Neuseeland einzusetzen. Dies habe ich manchmal in Anspruch genommen, zum Beispiel bei Bestellungen im Internet.
3.5 Stipendium
Stipendien gibt es bei zahlreichen Institutionen. Auch das Institut Ranke-Heinemann vergibt ein Stipendium, ersetzt die Studiengebühren für ein Semester (ca. 1.000 Euro). Wer sich um ein Stipendium bewerben möchte, sollte dies rechtzeitig tun, da manche Stipendiengeber nur einmal im Jahr ein Auswahlgespräch haben. Beim DAAD zum Beispiel findet dieses meist im Mai statt. Bei manchen Institutionen muss man sich bis zu zwei Jahre vorher bewerben. Hier zwei Tipps:
a) Stipendien beim DAAD: Der Deutsche Akademische Auslandsdienst vergibt eine große Anzahl an Stipendien für die unterschiedlichsten Länder. Bewerbungsschluss ist Ende März. Der DAAD lädt die Bewerber zum Auswahlgespräch. Bei Juristen liegt die Messlatte meines Erachtens relativ hoch. Unter einem „Gut“ im Ersten Staatsexamen haben es Bewerber nach meinen Erfahrungen nicht leicht, ein Stipendium zu bekommen. Was den DAAD nicht davon abhält, sie zum Auswahlgespräch nach Bonn zu bitten. Die Stipendienhöhe beträgt ca. 1.000 Euro im Monat.
b) Rotarier: Die Rotarier vergeben nur noch zum Teil Stipendien an Postgraduierte. Dann allerdings auch in Höhe von 25.000 Euro pro Jahr. Stipendiaten müssen gelegentlich Vorträge in Rotarier-Clubs vor Ort halten. Nachteil ist, dass manche der Rotarier-„Kreise“ angeben, keine Postgraduierten zu fördern, andere dagegen schon.
3.6 Budget
Wer ein LL.M.-Studium in Christchurch plant, sollte mindestens ca. 8.000 Euro einplanen. Etwa 1.000 Euro kostet der Flug mindestens. Dazu kommen Studiengebühren von etwa 2.000 Euro, eine Krankenversicherung von etwa 225 Euro, Verwaltungsgebühren von ca. 70 Euro, ein Visum von 110 Euro. Die Unterkunft kostet ca. 2.600 Euro für das Jahr (Studentenwohnheim Ilam Village). Lebenshaltungskosten sind je nach Anspruch unterschiedlich; ich würde jedoch von (aller-) mindestens 50 Euro in der Woche ausgehen, die zusätzlich zur Unterkunft anfallen. Dies sind bei etwa 40 Wochen für das Studium 2.000 Euro. Wer zusätzlich Urlaub machen möchte (Nordinsel, Australien und so weiter) oder einen aufwändigeren Lebensstil pflegen möchte, muss dementsprechend mehr Geld einplanen.
4. Unterkunft und Verpflegung
Die Studentenwohnheime liegen sehr nah am Campus, meist geht man nur fünf Minuten bis zur Law School. Ich kann die Wohnheime sehr empfehlen, weil man dort oft besser die Möglichkeit hat, mit anderen Studenten in Kontakt zu kommen. In Ilam Village zum Beispiel (wo viele der LL.M.-Studenten wohnen) gibt es kleine Flats mit sechs Mitbewohnern, häufig aus unterschiedlichen Ländern. Man hat also gleich am Anfang Kontakt und ist nicht so isoliert. Zudem gibt es in den Studentenwohnheimen regelmäßig Veranstaltungen, auf denen man Leute kennen lernen kann (zum Beispiel Kino-Abende, Rugby-Spiele, Quiz Nights). Übrigens: Für Ilam Village muss man sich vor dem 1. Dezember anmelden, wenn man im ersten Semester des Folgejahres anfängt zu studieren.
Es gibt Studentenwohnheime, die ‚self catered’ sind, also keine Verpflegung bereit stellen, und solche, die das tun. Ein Vorteil bei den Wohnheimen mit Selbstverpflegung ist, dass man nicht so abhängig von Essenszeiten usw. ist, sondern sich alles selbst einteilen kann. Supermärkte gibt es in ein bis zwei Kilometer Umkreis (auf dem Campus gibt es nur kleine Läden).
Zur Verpflegung: Auf dem Campus in Christchurch gibt es eine Art Mensa, aber die Qualität ist nicht besonders gut. Es gibt aber günstige Restaurants, zum Beispiel einen Inder auf dem Campus, bei dem man für 7 NZ-Dollar ein leckeres Mittagessen bekommt. Die Studentenwohnheime haben übrigens den weiteren Vorteil, dass sie schnell zu erreichen sind und man dort dann für sich selbst kochen kann.
5. Leben in Christchurch
5.1 Christchurch als Stadt
Christchurch ist eine Stadt von ca. 300.000 Einwohnern, die allerdings dafür relativ großflächig ist. Dies mag daran liegen, dass viele Häuser Einzelhäuser sind und eher in die „Breite“ als in die „Höhe“ gebaut wird. Die Stadt liegt etwa 2 Stunden von den neuseeländischen Alpen entfernt, die für jeden Wanderer eine wunderbare Erfahrung sind.
Das Klima ist meist mild, im Winter herrschen in der Regel Temperaturen von -2 bis 5 Grad, tagsüber sind es meist 4 bis 15 Grad. Es regnet wenig, vor allem der Sommer ist relativ trocken. Die Stadt ist weniger windig als Wellington, häufig herrscht auch absolute Windstille.
Christchurch hat eine Anzahl von Attraktionen zu bieten, und auch das Umland ist empfehlenswert. Wer gerne draußen etwas unternimmt, dem kann ich einen Spaziergang über die Port Hills empfehlen, die einen wunderschönen Blick auf die Stadt geben. Auch der botanische Garten ist im Sommer einen Ausflug wert. Daneben hat Christchurch viele kleine Parks und Restaurants. Interessante Stationen zum Einstieg sind insbesondere das Art Centre und die Cathedral Square, die das Zentrum der Stadt bildet.
5.2 Studentenleben
Für Studenten gibt es ebenfalls eine ganze Menge in Christchurch zu erleben. An der Uni finden viele kulturelle Veranstaltungen und Partys statt. Bereits am Donnerstagabend gibt es im UCSA-Gebäude (Studentenorganisation) die Gelegenheit, tanzen zu gehen. Der „Strip“ in Christchurch ist vergleichbar mit einem Kiez. Die Innenstadt hat viele Clubs und Kneipen. Vom Campus aus ist alles gut erreichbar, es fahren mehrere Busse in die City.
Auch für Sport gibt es viele Gelegenheiten. Die nahen Berge laden zum Skifahren oder Snowboarding ein. Eine Jahreskarte beim Fitness-Center der Uni (Recreation Centre) ist für 80 NZ-Dollar zu haben. Last but not least gibt es in Christchurch viele große Rasenflächen, auf denen man ein nettes Fußballmatch eröffnen kann.
5.3 Studentenclubs
Eine besonders attraktive und für deutsche Studenten ungewohnte Möglichkeit ist es, einem der vielen Studenten-Clubs beizutreten. Diese Clubs gibt es für viele unterschiedliche Aktivitäten, zum Beispiel Ski + Snowboarding, Rudern, Spieleabende, Kunst, Essen und so weiter. Viele der Fakultäten haben ihren eigenen Club, wie etwa die Law School mit ihrer „LawSoc“. Die Clubs bieten viele Veranstaltungen während des Jahres an, organisieren zum Beispiel Bälle oder Ausfahrten. Sie präsentieren sich am Anfang jedes Semesters beim „Clubs Day“. Den meisten Clubs kann man für wenig Geld beitreten und bekommt dann gute Deals für alle möglichen Sachen.
Tipp: Neuseeland ist berühmt für seine Natur und seine Landschaft, die schon in Filmen wie „Herr der Ringe“ oder „Narnia“ zu sehen ist. Wer diese erkunden möchte, ist beim „Canterbury University Tramping Club“ an der richtigen Adresse. Hier kann man für 20 NZD beitreten und jedes Wochenende für etwa 5-25 NZ-Dollar mit anderen Studenten Wander- und Bergsteigetrips unternehmen, die von erfahrenen Führern geleitet werden. Für mich war das eine tolle Gelegenheit, die Natur Neuseelands kennen zu lernen.
Spaß hatte ich auch im so genannten „Wine Club“, der alle zwei bis vier Wochen ein „Wine Tasting“ anbietet, bei dem man neuseeländische und andere Weine verkostet. Daneben gibt es interessante Clubs wie zum Beispiel die „CurrySoc“ (Indisch essen), die es sich lohnt, einmal kennen zu lernen.
Manche Clubs bieten dagegen nicht wirklich viel an, außer zwei bis drei Veranstaltungen im Jahr, die man auch als Nicht-Mitglied besuchen kann. Hier bekommt man für die Beitrittsgebühr meist nur ein T-Shirt. Solchen Clubs beizutreten fand ich persönlich nicht so sinnvoll.
6. Natur und Ausflüge
Die Natur Neuseelands ist einzigartig – kein Wunder bei einem Land, das nur 4 Millionen Menschen beherbergt (1 Million auf der Südinsel), dafür aber 40 Millionen Schafe! Viele Trips ins Landesinnere bieten sich während des Studienaufenthaltes an. In Neuseeland findet man alles, und das auf engem Raum: Wild-romantische Berglandschaften, sanfte Täler, reißende Flüsse, Kajak-Routen, unberührtes Regenland, vulkanische Quellen, weite Weinberge, zerklüftete Küsten, riesige Gletscher, Ski-Resorts und hohe Kletterfelsen. Genug Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten also. Von den zahlreichen Angeboten kann man sicherlich nur einige hervorheben, zumal natürlich auch die Nordinsel viele Attraktionen hat (besonders das Tongariri-Crossing im Herzen der Insel). Hier als Einstieg einige Tipps für die Südinsel (von den Dingen die ich gemacht habe):
a) Der Abel Tasman National Park im Norden der Südinsel bietet sich zum Wandern und vor allem zum Kajak-Fahren an. Er hat tolle Küsten mit türkisblauem Wasser!
b) Nur anderthalb Autostunden von Christchurch entfernt befindet sich Arthur’s Pass: Hier gibt es eine große Vielzahl von Wander- und Bergsteigmöglichkeiten, von Daytrips bis zu Mehrtagestouren.
c) Das Fjordland im Süden der Südinsel ist eine der absoluten Touristenattraktionen, vor allem der Milford Track und der Routeburn Track sind weltberühmt. Es bietet sich an, diese Touren im Herbst oder Frühling zu machen, weil die Strecken ansonsten mit Touristen überfüllt sind. Im Fjordland gibt es auch fast unberührte Täler. Einziger Nachteil: Es regnet dort unglaublich viel!
d) Mount Cook und die Gletscher an der Westküste sollte man sich einmal ansehen, das sind beeindruckende Naturschauspiele. Den Berg sollte man allerdings nicht ohne fremde Hilfe besteigen, er ist sehr viel technischer und schwieriger zu besteigen als man denkt. Mein Favorit war der Copland Track mit seinen ‚Welcome Flats’ in der Nähe des Mount Cook (natürliche heiße Quellen!).
e) Wer nicht so weit fahren möchte und ein wenig wandern will, der sollte sich die Banks Peninsula etwas südlich von Christchurch ansehen. Hier kann man Delfinen zukucken und kleine Täler erkunden!
7. Sicherheit und Vandalismus
Noch ein Wort zur Sicherheit: Ohne zu große Verunsicherung verbreiten zu wollen – man sollte in Christchurch auf seine Sachen aufpassen! In unserem Studentenwohnheim Ilam Village gab es mehrere Diebstähle, vor allem in den Erdgeschossen. Zum Teil waren die Studenten nur kurz aus dem Zimmer gegangen, und die Eingangstür war nicht verschlossen. Die Hausordnung sieht deshalb bereits vor, stets alle Türen abzuschließen. Ich rate davon ab, große Bargeldbeträge zuhause aufzubewahren oder sehr wertvolle Gegenstände mitzuführen.
Außerdem habe ich während meines zehnmonatigen Aufenthalts in der Stadt einiges an Vandalismus gesehen. Ich habe zum Beispiel ein neues Fahrrad gekauft, das dann in der Innenstadt in einer – noch nicht einmal besonders ruhigen – Einkaufsstraße stark beschädigt wurde. Der Alkoholkonsum der Jugendlichen ist vor allem an Donnerstag- bzw. Samstagabenden häufig erheblich, und die Hemmschwelle, Dinge zu zerstören, sinkt. Tipp: Persönliche Gegenstände (auch Autos!) nicht auf belebten Straßen stehen lassen, sondern wenigstens hinter dem Haus „parken“. Obwohl die Gegend um den Campus nicht danach aussieht – während meiner Zeit hier gab es auch einige körperliche Übergriffe auf Studierende, insbesondere auf Studentinnen. Die Uni empfiehlt, nachts nicht die beleuchteten Wege zu verlassen.
8. LL.M. in Christchurch lohnt sich!
Insgesamt hat sich das LL.M.-Studium in Christchurch für mich gelohnt. Nicht nur ist Christchurch eine interessante Stadt und die Südinsel eine wunderschöne Naturlandschaft mit vielen National Parks, das Studium hat mir auch viele neue Erfahrungen geboten. Für die juristische Ausbildung ist ein LL.M.-Studium sicher sehr hilfreich, da man Rechtsenglisch lernt und einem viele Begriffe geläufig werden. Zudem erschließt sich ein neuer Rechtskreis, das common law, das überall auf der Welt verbreitet ist.
Für mich war es außerdem interessant, eine andere Kultur kennen zu lernen und im Studentenwohnheim mit so vielen Studierenden aus den unterschiedlichsten Nationen zusammen zu treffen. Nachteil des LL.M.-Programms ist, dass es fast nur von deutschen Studierenden genutzt wird. Man muss also regelrecht den Kontakt zu den neuseeländischen Studierenden suchen. Kritisch anzumerken bleibt zudem, dass die Betreuung etwas nachlässig ist. Zwar ist selbständiges Arbeiten sinnvoll, allerdings wäre ein wenig Einführung in das fremde Rechtssystem und Hilfestellung bei der Themenwahl angenehm.
Unterm Strich kann ich das LL.M.-Studium an der University of Canterbury dennoch jedem empfehlen, der seinen Horizont erweitern und die andere Seite der Erde besichtigen möchte. Ein Jahr in Neuseeland vergisst man so schnell nicht!
Ingemar Carl
Erfahrungsbericht - Bastian Haberland
“Sweet as”: Der LL.M. in International Law and Politics an der University of Canterbury
Der nun folgende Erfahrungsbericht beruht auf meinen Einblicken in das Studium zum LL.M. in International Law and Politics an der University of Canterbury von Februar 2005 bis Februar 2006.
Der Pazifik. Unendliche Weiten. Im südwestlichen Zipfel des stillen Ozeans liegt Aotearoa, in der Sprache der Maori das „Land der langen weißen Wolke“, in der Sprache Goethes und Schillers schlicht und einfach „Neuseeland“. Uns Europäern sind die beiden großen Inseln Neuseelands vor allem als beliebtes Reiseziel für Naturliebhaber ein Begriff. Dass dies nicht ganz unberechtigt ist, wurde spätestens durch Regisseur Peter Jacksons Verfilmung von Tolkiens „Der Herr der Ringe“ deutlich, in der die traumhaften Landschaften als fabelhafte Filmkulisse dienten. Doch Neuseeland hat mehr zu bieten, so zum Beispiel das Postgraduierten-Studium zum Master of Laws. Insgesamt fünf der acht Hochschulen des Landes bieten einen solchen Abschluss an, darunter die University of Canterbury oder „Te Whāre Wananga o Waitaha.“
Sie ist in Christchurch ansässig, der Hauptstadt der Region Canterbury, die mit etwa 330.000 Einwohnern die größte Stadt und gleichzeitig das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Südinsel Neuseelands ist. Sie hat auch den Ruf die englischste Stadt außerhalb Englands zu sein, wofür unter anderem die Stechkähne auf dem Fluss Avon, die neogotische Kathedrale im Herzen der Stadt und die liebevoll restaurierte Straßenbahn verantwortlich sein dürften. Große Parkanlagen und unzählige öffentliche Gärten machen sie außerdem zur „garden city“, zur Gartenstadt.
Englischen Ursprungs ist auch die hiesige Universität. Gelehrte der Universitäten Oxford und Cambridge gründeten hier im Jahre 1873 eine Hochschule, damals noch Canterbury College genannt, und bezogen die prächtigen neogotischen Gebäude in der Innenstadt, die heutzutage vornehmlich als Zentrum für Kunsthandwerk genutzt werden. Immer noch kann man die alten Hörsäle besuchen, in denen einst Nobelpreisträger Sir Ernest Rutherford, der Entdecker der Struktur des Atoms, studierte und in denen der englische Philosoph Karl Popper von 1937 bis 1946 lehrte. Auf dem neuen Campus im Vorort Ilam, dessen Gebäude leider mehr nach dem Schick der frühen 70er Jahre gestaltet wurden, geht es weniger ehrwürdig zu, dafür bedeutend quirliger. Etwa 13.500 Studenten, davon 1.900 Postgraduierte, tummeln sich auf dem großzügig angelegten Gelände der „UC“. Zum Potpourri der einheimischen Kulturen, d.h. den Pakeha (den weißen Neuseeländern), den Maori (den ursprünglichen Bewohnern) und den vielen Neuseeländern mit asiatischen und polynesischen Wurzeln, tragen auch etwa 2.200 internationale Studenten ein gutes Stück bei.
Schon seit dem Gründungsjahr 1873 gehört auch eine juristische Fakultät zur University of Canterbury. Neben einem allgemeinen Master-Abschluss bietet sie in Zusammenarbeit mit der School of Political Science and Communication seit dem Jahr 2004 einen „LL.M. in International Law and Politics“ an, den ich nun kurz vorstellen möchte. Der Studiengang ist ein Spross der International Law Group der Fakultät, die sich der Förderung der Völkerrechtswissenschaft verschrieben hat und u.a. das New Zealand Yearbook of International Law herausgibt. Bei der Gestaltung des Curriculums wurde darauf geachtet, dass Anfängern erste Einblicke in das Völkerrecht und die internationale Politik gewährt werden, während Fortgeschrittenen die Möglichkeit zu vertiefender Forschung gegeben wird.
Vollzeitstudenten müssen in einem Jahr (maximal zwei Jahren) vier Kurse aus den beiden Disziplinen belegen und eine „dissertation“ anfertigen. Von den vier Kursen muss einer und dürfen maximal zwei aus dem Politikbereich stammen. In dem reichhaltigen Kursangebot finden sich Völkerrechtsklassiker wie das Völkerstrafrecht, Welthandelsrecht oder Menschenrechte, aber auch Exoten wie das Recht der Antarktis oder Immigrations- und Flüchtlingsrecht. Wer keine Vorkenntnisse aus dem Völkerrecht vorweisen kann, z.B. durch die entsprechende Wahlfachgruppe, muss einen der vier Kurse für die Veranstaltung „Public International Law“ reservieren. Im Politikbereich wiederum trifft man auf breitgefächerte Kursthemen wie Konfliktmanagement, Globalisierung, Fragen der Humangenetik oder „Militär und Gesellschaft“.
Die Vorlesungen beginnen im Februar bzw. Juli, wobei die Aufnahme des Studiums zu beiden Terminen möglich ist. Es handelt sich häufig um reine Postgraduiertenkurse mit nicht mehr als fünf bis zehn Teilnehmern, was eine angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre schafft. Umfangreiche Materialien werden meist in elektronischer Form zur Verfügung gestellt und müssen vor- und nachbereitet werden. Andere Kurse werden von „undergraduates“ und „postgraduates“ gemeinsam besucht und sind deshalb mit bis zu 30 oder 40 Teilnehmern bedeutend größer, wobei die Ansprüche an das Bestehen des Kurses für Postgraduierte naturgemäß höher sind.
Dabei ist zu beachten, dass jeder Dozent individuell entscheidet, was zum erfolgreichen Abschluss eines Kurses geleistet werden muss. Die Anforderungen können daher je nach Kurs von der Anfertigung eines großen Aufsatzes von 10.000 Wörtern, über zwei kleinere „papers“ von 3.000 bis 5.000 Wörtern, bis zu mehrstündigen Abschlusstests, Vorträgen und/oder der Benotung der mündlichen Beteiligung reichen. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass das Schwergewicht weniger auf reiner Wissensvermittlung liegt als mehr auf Forschung und wissenschaftlicher Arbeit.
Die Fähigkeit zu letzteren muss man spätestens mit der „dissertation“ zu einem völkerrechtlichen Thema unter Beweis stellen. Diese große Abschlussarbeit, für die man gewöhnlich die letzten vier Monate des Studienjahres zur Verfügung hat, umfasst 20.000 Wörter und macht 40% der Gesamtnote aus. Die klein geschriebene „dissertation“ kann man in der Tat als eine kleine Version einer deutschen Dissertation bezeichnen. Natürlich wird angesichts des geringeren Umfangs keine eine völlig neue wissenschaftliche Großtat verlangt. Es wird aber durchaus erwartet, dass man sich um die Erarbeitung möglichst vieler neuer Aspekte zu einem Thema bemüht und diese angemessen erarbeitet und zu Papier bringt.
Unterstützt wird man dabei von einer tollen Arbeitsatmosphäre. Jeder LL.M.-Student erhält einen eigenen Schreibtisch in einem der LL.M.-Büros der Fakultät, zu dem er oder sie rund um die Uhr Zugang hat. Eine ausreichende Zahl an Computerterminals, drahtlose Internetverbindungen und auch Küchenzeilen mit Kühlschrank, Kaffeemaschine und Mikrowelle stehen zur Verfügung. Für gewöhnlich sind die Schreibtische und Regale in den Büros mit Büchern aus der mit Völkerrechtsliteratur gut ausgestatteten Hausbibliothek vollgestopft, aus der man – bei Bedarf - bis zu 50 Bücher gleichzeitig ausleihen darf.
Für alle Studenten gibt es zu Beginn des Semesters Einführungen in die Systematik der Bibliothek, vor allem in die der umfangreichen nationalen und internationalen elektronischen Datenbanken, die sich im Laufe des Studiums bald als unverzichtbar erweisen. Kann einem das gedruckte Wort einmal nicht weiterhelfen, kann man sich auf die „Politik der offenen Tür“ der Dozenten verlassen. Darüber hinaus unterstützt einen das Writing Assistance and Study Skill Programme (WASS) im generellen Umgang mit der englischen Sprache und auch wissenschaftlichem Schreiben. Dass die Tür zu den Dozenten jederzeit offen steht, wenn es fachliche aber auch persönliche Probleme gibt, bedeutet aber gleichzeitig, dass sie einem nicht ständig im Nacken sitzen. Obwohl das ein großer Vorteil zu sein scheint, kann es sich auch nachteilig auswirken. Denn es wird Eigeninitiative erwartet, d.h. es gilt, sich immer wieder selbst zu motivieren, die Arbeit voranzutreiben und pünktlich abzuliefern.
Und das fällt nicht leicht. Schon auf dem Campus wird man schnell abgelenkt von zahlreichen Cafés und Bars, Restaurants, und – zum Wiederabtrainieren der Pfunde – einem ausgezeichneten Sportzentrum. Die Universität betreibt auch das Ngaio Marsh Theatre, in dem regelmäßig professionell dargebotene Musicals und Theaterstücke stattfinden. In 15 Minuten erreicht man mit dem Bus die Innenstadt, wo man sich in Parks und Gärten, Restaurants, Theatern, Museen und Kinos bestens die Zeit vertreiben kann. „Oxford Terrace“, auch „the strip“ genannt, schlängelt sich durch das Zentrum entlang am Ufer des Avons und ist gesäumt von weiteren Bars, Pubs und Discos, in denen am Wochenende ausgiebig gefeiert werden darf. Wer es dabei zu bunt treibt, kann Erholung finden an den Sandstränden der Vororte Sumner und New Brighton oder auch Zerstreuung in den etwas weiter außerhalb liegenden Skigebieten von Mount Hutt und Arthur’s Pass. Obwohl der Zeit- und Arbeitsaufwand insbesondere kurz vor den „deadlines“ für die Aufsätze oder den Terminen der Abschlussprüfungen nicht unerheblich ist, bleibt genug Zeit, die unbeschreibliche Schönheit des Landes zu erkunden.
Und das natürlich am Besten mit Freunden und Bekannten, Mitstudenten oder Mitbewohnern. Wem das „flatting“ mit anderen Studenten in Privatwohnungen nicht liegt, weil er oder sie die Wohnungssuche vor Ort scheut oder weil in Neuseeland Zentralheizungen noch immer rar sind, kann sich für eines der fünf Studentenwohnheime bewerben. Diese „halls of residence“ liegen in unmittelbarer Campusnähe und bieten Unterkunft in Wohngemeinschaften mit bis zu sechs Bewohnern, je nach Geschmack mit oder ohne Verpflegung. Die „halls“ haben den Vorteil, dass sie einem mit Grillabenden, Sport, Kneipentouren und Ausflügen ins Umland das Einleben und Kennenlernen anderer Studenten leicht machen. Allerdings hat man in den zumeist von internationalen Studenten bewohnten Wohnheimen deutlich weniger Kontakt zu Neuseeländern. Kennen lernen kann man die „kiwis“, wie die Neuseeländer sich selbst nennen, aber auch in einem der Dutzenden von Clubs, die sich während der „club days“ an der Universität präsentieren. Hier findet man Gleichgesinnte für jedwede Sportart und alle möglichen sonstigen Hobbys, kurz gesagt: zu allem was das Herz begehrt. Sollte dies zufällig Jura sein, gibt es natürlich auch eine Law Society, die unter anderem den Lawsoc-Ball organisiert.
Bevor man dort das Tanzbein schwingen darf, steht natürlich die Bewerbung in Canterbury an. Aufgrund der Erforderlichkeit eines Visums, sowie der Organisation von Anreise, Unterkunft und Finanzierung sollte man sich etwa ein dreiviertel Jahr vor dem geplanten Studienbeginn darum kümmern. Die wichtigsten Aufnahmekriterien sind ein Nachweis guter Englischkenntnisse durch die üblichen Tests (z.B. TOEFL, IELTS) sowie gute Leistungen während des deutschen Jurastudiums. Die offizielle Mindestanforderung an das Ergebnis im ersten Staatsexamen für den „normalen“ LL.M. liegt bei 6,5 Punkten, allerdings lagen die deutschen Studenten des LL.M. in International Law and Politics im Jahrgang 2005 mindestens etwa 1,5 Punkte darüber.
Selbstverständlich ist die Finanzierung eines Auslandsjahres ein wichtiger Faktor. In dieser Hinsicht bietet Neuseeland dann noch ein besonderes Bonbon, das es einem leichter macht, an England und den USA vorbei noch einige Stunden im Flugzug zu reisen und den Pazifik zu überqueren. Aufgrund eines Abkommens zwischen Deutschland und Neuseeland zahlen deutsche Studenten im Gegensatz zu ihren internationalen Mitstreitern in Canterbury nur etwa 3800 NZ$ statt 19.300 NZ$, d.h. etwa 1.920€ statt 9.750€. Da haben sich auch die hohen Flugkosten schnell amortisiert. Ansonsten entsprechen die Lebenshaltungskosten in etwa denen in Deutschland, wobei man ein nicht unbeträchtliches Budget für Reisen innerhalb des Landes oder auch Trips nach Australien oder Polynesien einplanen sollte.
Natürlich bedeutet die geringe Gebühr gleichzeitig, dass sehr viele Deutsche die LL.M.-Programme in Neuseeland besuchen und damit die erhoffte Verbesserung der Englischkenntnisse auf der Strecke zu bleiben droht. Hier kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es selbstverständlich noch genug Nicht-Deutsche in Neuseeland gibt und die Kiwis es einem leicht machen, auf sie zuzugehen. Auch konnte ich mich gut mit den anwesenden Landsleuten darauf einigen, sich ausschließlich auf Englisch zu unterhalten. Nach einer gewissen Zeit fällt dies ohnehin viel leichter als dauernd zwischen den Sprachen „umzuschalten“.
Ich kann das LL.M.-Programm in International Law and Politics an der University of Canterbury daher nur empfehlen. Wer daran interessiert ist, sich in das Völkerrecht und die internationale Politik erst einzuarbeiten, kann sich seinen Stundenplan ebenso zusammenstellen wie derjenige, der auf diesen Gebieten bereits Vorkenntnisse hat und sich ganz auf die Forschung konzentrieren möchte. Ohne Frage sollte man hierzu Spaß am wissenschaftlichen Schreiben haben und nicht auf große Einblicke in die neuseeländische Rechtspraxis hoffen. Die Vertiefung der Sprachkenntnisse ist bei einem LL.M. natürlich der größte Bonus. Fachlich nicht zu unterschätzen ist aber auch die Gelegenheit, in neuseeländischen Zeitschriften erste Erfahrungen im Veröffentlichen englischsprachiger Aufsätze zu sammeln.
Natürlich trägt eine sorgfältige Vorbereitung zum Erfolg einer solchen Unternehmung entscheidend bei. Der neuseeländische Lebensstil, kurz als „laid back“ bezeichnet, hat aber –zumindest auf mich und viele, die ich dort kennen gelernt habe - schnell abgefärbt, was den Umgang mit alltäglichen Problemchen eines solchen Auslandsjahres deutlich erleichtert. Keine Frage, das „Land der langen weißen Wolke“ liegt nicht gerade nebenan, aber Neuseeland, die Kiwis und die University of Canterbury lassen für Heimweh eigentlich keinen Raum – eher für Fernweh, wenn man wieder in Deutschland ist. Sie sind, wie die Neuseeländer als Zeichen der Wertschätzung sagen würden, „sweet as“!
Bastian Haberland
Weitere Infos:
Bewerbung: Informationen zum Studiengang und die Ansprechpartner für die Studienplatzbewerbung und Einschreibung etc. findet man auf den Seiten des Instituts Ranke-Heinemann unter www.ranke-heinemann.de oder www.ranke-heinemann.at
Der Internetauftritt der School of Law befindet sich auf: www.laws.canterbury.ac.nz/
Aufenthaltserlaubnis: Für das Master-Studium in Neuseeland ist ein Studentenvisum erforderlich, das man an der Botschaft von Neuseeland in Berlin (Botschaft von Neuseeland, Visa-Abteilung, Friedrichstraße 60, 10117 Berlin) beantragen kann. Alternativ kann man ohne Visum einreisen und muss dann innerhalb von drei Monaten ein Visum vor Ort beantragen. Das Visum erlaubt auch eine beschränkte Wochenarbeitszeit als Arbeitnehmer. Nähere Informationen und Links zu den Antragsformularen bietet das Infoblatt „Beantragung eines Studentenvisums“, erhältlich auf den Internetseiten der Botschaft unter www.nzembassy.com/germany
Krankenversicherung: Die Universität verlangt einen umfassenden Kranken- und Reiseversicherungsschutz. Wer bereits einen solchen vorweisen kann, muss die Police von der Universität genehmigen lassen. Ansonsten kann man getrost auf die angebotene Versicherung zurückgreifen, die für das Jahr mit etwa 450 NZ$ zu Buche schlägt. Näheres unter:
www.canterbury.ac.nz/intstud/insurance/index.shtml
Unterkunft: Für die Wohnungssuche findet man nützliche Hinweise unter www.canterbury.ac.nz/accom/. Die Seite enthält sowohl Informationen zu den Studentenwohnheimen als auch Links zu Datenbanken mit privaten Anzeigen.
Sonstiges: Informationen zur Stadt Christchurch und zur Region Canterbury gibt es unter www.christchurch.org.nz. Flächenmäßig ist Neuseeland ein wenig größer als Großbritannien. Dabei leben nur etwa 4 Millionen Einwohner auf den beiden Hauptinseln, von denen wiederum nur etwa ein Drittel auf der Südinsel lebt. Neben Englisch ist auch Maori Amtssprache. Die Landeswährung ist der Neuseelanddollar, dessen Wechselkurs im März 2007 bei 1 € = 1,92 NZ$ stand. Wer ein Konto der Deutschen Bank besitzt, kann bei der vor Ort weit verbreiteten Westpac Bank kostenlos Bargeld am Automaten ziehen. Kreditkarten werden fast überall akzeptiert. In Neuseeland herrscht Linksverkehr. Der deutsche Führerschein ist in Neuseeland dennoch für ein Jahr gültig. Danach muss ein neuseeländischer Schein beantragt werden.
Literatur (Auswahl):
Studienführer Australien, Neuseeland, von Peter Hachenberg, 1. Auflage, Bielefeld 2003. Eine Fülle an nützlichen Informationen für eine umfassende Planung findet man in diesem Studienführer des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).
Whale Rider. Die magische Geschichte vom Mädchen, das den Wal ritt, von Witi Ihimaera, Sabine Schulte (Übers.), 4.Auflage, 2003. Poetische Erzählung über das Schicksal gestrandeter Wale und einer jungen Maori.
Timeless Land, von Owen Marshall, Brian E. Turner, Sam Neill, Dunedin 2004. Bilder, Gedichte und Geschichten unter der Mitarbeit eines Dozenten (Marshall) und eines Alumni (Schauspieler Sam Neill) der University of Canterbury.
In a German Pension (Modern Voices), von Katherine Mansfield, London 2005. Satirische Kurzgeschichten, die die berühmte neuseeländische Schriftstellerin Katherine Mansfield nach einem Besuch in Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts verfasste.
Ehemalige und derzeitige Studierende treffen sich im 4A Club.
Alle Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für die Richtigkeit der Informationen kann jedoch keine Haftung übernommen werden! Impressum / Disclaimer | Kontakt